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Buridans Esel und die Kunst der Entscheidungsfindung

In diesem Beitrag geht es um Entscheidungen und wie Du sie treffen kannst. Ich zeige Dir vier Tools, die Dir dabei helfen können. Je öfter Du sie anwendest, um so sicherer wirst Du. 

Die vorgestellten Methoden sind die klassische Pro-Kontra-Liste, die Frage „Was würdest du tun, wenn Scheitern unmöglich wäre?“, die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und die Visualisierung der Entscheidungssituation. 

Du hast Angst, Dich für die falsche Option zu entscheiden

In meinen Gesprächen geht es oft um anstehende Entscheidungen. Hin und wieder ist es für Menschen schwer, eine Entscheidung zu treffen. Sie haben Angst, sich für die falsche Option zu entscheiden. Mir kommt dann immer Buridans Esel in den Sinn:

„Ein Esel steht zwischen gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert schließlich, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll.“

Auch mir fällt es nicht immer leicht, Entscheidungen zu treffen. Ich wäge stunden- und manchmal auch tagelang die Möglichkeiten und Konsequenzen ab. Ich gerate in ein Gedankenkarussel, das mich blockiert. Dann bin ich der Esel.

Mir helfen in diesen Situationen verschiedene Methoden zur Entscheidungsfindung.

Vielleicht geht es Dir ebenso wie mir und Du brauchst eine hilfreiche Vorgehensweise, um Dich entscheiden zu können und mit Deiner Entscheidung zufrieden zu sein.

 

Du hast die Qual der Wahl? Ich stelle Dir nachfolgend 4 nützliche Tools vor.

1. Die klassische Pro-Kontra-Liste 

„Triff angstfrei Entscheidungen, die Du weniger bereust!“

Diesen Satz habe ich neulich gelesen und mich direkt angesprochen gefühlt. Geht es Dir auch so? Eine der Möglichkeiten, angstfrei Entscheidungen zu treffen, ist die klassische Pro-Kontra-Liste.  

Viele kennen und lieben sie – wie ich.

Hast Du Lust, es auszuprobieren? Dann mach gern mit!

Frag Dich zuerst wertfrei und versuch in alle Richtungen zu denken:

  • Was sind die Möglichkeiten?
  • Gibt es mehr als zwei?
  • Welche gäbe es noch? 

Du kannst Dich auch dazu entschließen, abzuwarten und nicht zu entscheiden.

Auch das ist eine Möglichkeit, deren Auswirkungen Du mit Hilfe der Fragen auf die Spur kommst. Wie in Buridans Esel kann keine Entscheidung zu treffen eine nachteilige Konsequenz für Dich und Dein Leben haben.

Dann schreibst Du Deine Möglichkeiten auf und fragst Dich:

  • Welche der Möglichkeiten ist diejenige, die für mich noch zumutbar und machbar ist? Es kann sein, dass hier die Antwort lautet: „Alles bleibt, wie es ist.“
  • Bei welcher Deiner notierten Möglichkeiten empfindest Du Widerstand?
  • Was daran erzeugt Widerstand?
  • Ist es dann noch eine Möglichkeit, die Du weiter in Betracht ziehst, oder nicht weiterverfolgen solltest?
  • Bei welcher der Möglichkeiten empfindest Du Begeisterung?
  • Was ist daran für mich persönlich gut?
  • Verbessert sich mein Leben durch diese Möglichkeit?
  • Welche Einwände gibt es?
  • Welche Hindernisse können auftreten?
  • Passt diese Alternative zu meinen Werten?
 

2. Was würdest Du tun, wenn Scheitern unmöglich wäre? 

Hier stelle ich Dir eine sehr hilfreiche und unglaublich effektive Frage zur Entscheidungsfindung vor.

Halten Dich Zukunftsängste oder Unsicherheiten davon ab, die optimale Entscheidung zu treffen?

Hast Du die Befürchtung, eine falsche Entscheidung zu mit fatalen Auswirkungen auf Dein Leben zu treffen? 

Ich lade Dich ein, jegliche Möglichkeit, zu scheitern für einen Moment auszuklammern und Dich zu fragen:

  • Wenn Scheitern unmöglich ist, was würdest Du machen?
  • Welche Schritte würdest Du gehen? 

Hab den Mut, es auszuprobieren. 

Was passiert dabei? Du distanzierst Dich von der Situation und wechselst die Perspektive. Dadurch kannst neue Ideen und Lösungen finden und findest heraus, was Du wirklich willst.

 

 

3. Wie fühlen sich die verschiedenen Möglichkeiten für Dich an? 

Bisher habe ich Dich zur Entscheidungsfindung nach Deinen Gedanken befragt.

Jetzt möchte Deinen Blick auf Deinen Körper und in Dich hinein lenken und lade Dich ein, Deine Entscheidung zu erspüren. Klingt ein bisschen verrückt, ich weiß.

Du kennst jedoch sicher Aussagen wie „Da zieht sich mir der Magen zusammen!“ oder „Das bereitet mir Kopfschmerzen“. Dein Körper „weiß“, was gut für Dich ist und zeigt es Dir über die beschriebene und noch andere Anzeichen.

Das können wir zur Entscheidungsfindung nutzen.  

Als Erstes überleg Dir Deine Optionen und finde Überschriften für sie, die Du dann jeweils einzeln auf ein Blatt Papier schreibst.

Diese Blätter legst Du in etwas Abstand vor Dich auf dem Boden aus.

Stell Dich nun nacheinander auf Deine Optionen.

Bei jeder Option beobachte Dich genau:

  • Was fühlst Du in Deinem Körper?
  • Fühlt es sich gut oder schlecht an?
  • Wie ist Deine Körperhaltung?
  • Wo fühlst Du etwas? Im Kopf, im Bauch, in den Armen oder anderen Körperregionen?
  • Ist es ein Kribbeln? Oder etwas anderes?
  • Hast Du vielleicht ein Bild vor Augen?
  • Was siehst Du?
  • Welche Farben nimmst Du wahr?
  • Vielleicht nimmst Du Töne wahr? Was hörst Du?
  • Vielleicht nimmst Du einen Geruch wahr? Was riechst Du?
  • Vielleicht geht Dir ein Gedanke durch den Kopf? Was denkst Du?
  • Welche Deiner Optionen hat sich für Dich besonders gut angefühlt?
  • Welche Deiner Optionen bereiteten Dir negative oder unangenehme Empfindungen?
 

4. Das Tetralemma 

Stehst Du vor eine Entscheidung zwischen zwei Optionen? Dann diese Methode hilfreich sein, damit Du Deine Wahl treffen kannst. 

Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer haben diese Herangehensweise entwickelt. Es geht darum, Entscheidungsräume zu erweitern, wenn zwei Entscheidungsmöglichkeiten vorhanden sind, die sich auf den ersten Blick ausschließen. Durch diese Methode verlässt Du das Entweder-Oder und kommst zu einem Sowohl-Als auch und entdeckst, was noch möglich ist.  

Neugierig? Alles was Du brauchst, sind 5 Blätter Papier und einen Stift. Vielleicht kannst Du auch eine vertraute Person bitten, Dir die Fragen zu stellen.

Nun schreibst Du Deine zwei Optionen jeweils auf ein Blatt. In der Methode heißen sie „Das Eine“ und „Das Andere“.

Ich arbeite hier gern mit Bodenankern, das heißt, ich lege die Blätter vor mir auf dem Fußboden aus.

Leg also die Blätter vor Dir nebeneinander aus. Lass ein bisschen Platz zwischen den Blättern.  

Dann stell Dich doch einfach mal auf die erste Option.

  •  Angenommen, Du triffst diese Entscheidung und das Ereignis ist nun eingetreten, wie fühlt es sich für Dich an?
  • Welche Gedanken tauchen auf?
  • Was spricht dafür, diese Entscheidung zu treffen?
  • Welche Nachteile hätte sie?

Nun stellst Du Dich auf die zweite Option und beantwortest dieselben Fragen.

 

Nun stell Dich vor Deine Optionen. Wir schauen jetzt auf Gemeinsamkeiten der beiden Optionen („Beides“).

  • Unter welchen Umständen wäre das Eine und unter welchen Umständen wäre das Andere richtig und lassen sich die Umstände gestalten?
  • Wie können die Vorteile beider Optionen verbunden werden?
  • Wie können die Vorteile der einen Option in die jeweils andere einfließen und damit verbunden werden?
  • Welche dritte Option ergibt sich daraus?

Notier auch Deine dritte Option auf einem Blatt Papier und leg es quer zu den ersten Optionen.

Stell Dich darauf und beantworte dieselben Fragen wie im ersten Schritt.

 

Und nun frage ich Dich: Was wäre, wenn Du weder das Eine noch das Andere tust?

  • Was gäbe es noch außer den bisherigen Möglichkeiten?
  • Was könntest Du stattdessen tun?

Die Antwort ist die vierte Option („Keines von Beidem“). Notier sie und leg sie etwas von den anderen Blättern entfernt auf den Boden, stell Dich dann darauf und beantworte auch hier für die Fragen, wie bei den ersten Optionen.

 

Zum Schluss nimm Dir das letzte Blatt Papier. Es wird für „All dies nicht und selbst das nicht“ stehen und hilft, alle Möglichkeiten aus der Distanz zu betrachten.

  • Wenn Du Dich auf sie stellst und dabei auf Deine Optionen blickst, was taucht dann in Dir auf?
  • Welche der Optionen hat sich für Dich besonders gut angefühlt und zieht Dich an?
  • Wo zieht es Dich nicht hin?
  • Wenn Du keine der Optionen wählen würdest, was gäbe es dann noch?
  • Wenn Du alle Optionen in Zusammenhang mit Deinem Leben und Wünschen stellst, was taucht dann in Dir auf?

Das Tetralemma ist meine Lieblingsmethode bei Entscheidungen. Sie hilft mir, meinen Blick zu öffnen und mehr als eine Möglichkeit zu entdecken. Ich merke dann, dass ich mehr als die zwei offensichtlichen Optionen habe und finde leichter weitere Wege, die ich gehen kann. Das befreit mich und sorgt dafür, dass ich wieder Herrin der Lage werde.

 

Probier die vier Tools gern alle selbst aus. Vielleicht magst Du mir an info@guterzustand.de schreiben, ob sie hilfreich für Dich waren und welche Fragen Du noch hast? Hinterlass auch gern einen Kommentar. 

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